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Grundlagen

Projektzeiterfassung vs. Arbeitszeiterfassung: Unterschiede und Tools

Beide messen Stunden, doch sie beantworten verschiedene Fragen: Die eine erfüllt eine gesetzliche Pflicht, die andere macht Aufträge kalkulierbar. Wo die Grenze verläuft – und welche Tools welche Disziplin beherrschen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Arbeitszeiterfassung ist die Dokumentation von Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit; Projektzeiterfassung ist die Zuordnung derselben Stunden zu Kunden, Projekten oder Aufgaben.
  • Nur die Arbeitszeiterfassung ist Pflicht – seit dem BAG-Beschluss vom 13. September 2022 (1 ABR 22/21) für jeden Arbeitgeber, unabhängig von Branche und Betriebsgröße.
  • Projektzeiterfassung ist freiwillig und betriebswirtschaftlich motiviert: Nachkalkulation, Projektcontrolling und Rechnungsstellung.
  • Reine Anwesenheitserfassung kostet im Markt etwa 1,50 bis 5 € je Nutzer und Monat, Lösungen mit Projektzeit und Controlling rund 8 bis 12 € (netto, Listenpreise Juli 2026).
  • Reine Projekt-Timer wie Toggl Track erfüllen die gesetzliche Pflicht nicht, weil sie weder Pausen- noch Höchstarbeitszeitlogik nach deutschem Arbeitsrecht abbilden.

Was ist der Unterschied zwischen Arbeitszeit- und Projektzeiterfassung?

Arbeitszeiterfassung dokumentiert, wann gearbeitet wurde, und erfüllt damit eine gesetzliche Pflicht; Projektzeiterfassung dokumentiert, wofür die Stunden verwendet wurden, und dient der Kalkulation. Die Arbeitszeiterfassung beantwortet die Frage „Wann wurde gearbeitet?". Sie hält Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit fest und ist seit dem BAG-Beschluss vom 13. September 2022 für jeden Arbeitgeber verpflichtend – unabhängig von Branche und Betriebsgröße. Sie ist ein Compliance-Werkzeug: Ihre Daten belegen gegenüber Behörden, Beschäftigten und im Streitfall, dass Höchstarbeits- und Ruhezeiten eingehalten wurden.

Die Projektzeiterfassung beantwortet eine andere Frage: „Wofür wurde gearbeitet?". Hier werden Stunden Kunden, Projekten oder einzelnen Aufgaben zugeordnet – als abrechenbar oder nicht abrechenbar markiert („Billable Hours", erklärt im Glossar). Das Ergebnis sind keine Nachweise für den Gesetzgeber, sondern Zahlen fürs Geschäft: Nachkalkulation, Projektcontrolling, Rechnungsstellung.

Welche Kriterien unterscheiden beide Systeme?

Die fünf entscheidenden Unterschiede liegen in Leitfrage, Verbindlichkeit, erfassten Daten, Ergebnis und den typischen Tools.

Arbeitszeit- und Projektzeiterfassung im Vergleich
KriteriumArbeitszeiterfassungProjektzeiterfassung
LeitfrageWann und wie lange wurde gearbeitet?Wofür wurde die Zeit verwendet?
Verbindlichkeitgesetzliche Pflicht (BAG 2022, § 17 MiLoG)freiwillig, betriebswirtschaftlich motiviert
Erfasste DatenBeginn, Ende, Dauer, PausenStunden je Projekt, Kunde, Aufgabe; Abrechenbarkeit
ErgebnisNachweis, Stundenkonto, LohnexportAuswertung, Nachkalkulation, Rechnung
Typische ToolsAnwesenheits- und SchichtsystemeProjekt-Timer mit Reporting

Warum trennen Tools die Disziplinen – und was kostet das?

Anbieter trennen Arbeits- und Projektzeit in eigene Module oder Tarife, weil beide Disziplinen unterschiedliche Datenmodelle brauchen – die Projektebene kostet dadurch meist das Doppelte. Die Anbieter spiegeln die Trennung in ihren Tarifen. TimeTac verkauft Arbeitszeit- und Projektzeiterfassung als getrennte Module: Das Arbeitszeitmodul kostet ab 5,20 € je Nutzer und Monat, das Projektzeitmodul ab 9,00 € – jeweils zuzüglich 19,50 € Grundgebühr. Clockodo zieht die Grenze zwischen den Tarifen: Basic für 4,00 € deckt Anwesenheit und Urlaub ab, die Projektzeiterfassung samt Controlling steckt im Pro-Tarif für 8,00 € (Aktionspreis für zwölf Monate, regulär 10,00 €). timr vereint beide Disziplinen plus Fahrtenbuch in einer App ab 8,00 €. Und Toggl Track ist das Gegenbeispiel: ein reiner Projekt-Timer mit starkem Reporting, aber ohne Urlaubs- und Pausenlogik nach deutschem Arbeitsrecht und nur mit englischer Oberfläche – für die Pflichterfassung nicht gebaut.

Als Faustregel aus den Listenpreisen: Reine Anwesenheitserfassung kostet im Markt etwa 1,50 bis 5 € je Nutzer und Monat, Lösungen mit Projektzeiterfassung und Controlling liegen bei rund 8 bis 12 €. Für den Einstieg existieren zudem Gratis-Kontingente mit klaren Grenzen: Clockodo und timr sind für einzelne Selbstständige dauerhaft kostenlos (bei timr beschränkt auf eine Funktion), Toggl Track bis fünf Nutzer. Sobald ein Team rechtssicher Anwesenheit dokumentieren muss, führen diese Free-Pläne aber selten weiter. Die Preisstruktur aller verglichenen Systeme zeigt der Systemvergleich.

Welche Konstellation braucht was?

Betriebe ohne Kundenabrechnung brauchen nur Anwesenheitserfassung, Dienstleister beides in einem Tool, Solo-Selbstständige allein einen Projekt-Timer.

Wie lässt sich Doppelerfassung vermeiden?

Doppelerfassung vermeidet, wer entweder ein System nutzt, das beide Disziplinen führt und die Projektstunden gegen die Anwesenheit prüft, oder das Anwesenheitssystem klar als führend definiert. Der häufigste Praxisfehler ist die stille Doppelerfassung: Beschäftigte stempeln morgens im Anwesenheitstool und tragen dieselben Stunden abends noch einmal in ein Projekttool ein. Das kostet Zeit und produziert Widersprüche – etwa wenn die Projektsumme über der gestempelten Anwesenheit liegt. Sinnvoller ist eine von zwei Architekturen: entweder ein System, das beide Disziplinen führt und die Projektstunden gegen die Anwesenheit prüft, oder eine klare Arbeitsteilung, bei der das Anwesenheitssystem führend ist und das Projekttool nur Verteilungen erfasst. Wie aus gestempelten Zeiten ein sauberes Stundenkonto wird, zeigt der Beitrag Arbeitszeitkonto führen; die Werkzeugfrage für Dienstleister vertieft der Artikel Zeiterfassung für Agenturen. Den rechtlichen Rahmen der Pflichterfassung erklärt der Ratgeber Digitale Zeiterfassung.

Häufige Fragen

Erfüllt eine Projektzeiterfassung automatisch die gesetzliche Pflicht?

Nur, wenn sie zugleich Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit dokumentiert. Reine Projekt-Timer wie Toggl Track erfassen Zeitblöcke je Aufgabe, prüfen aber weder Pausen noch Höchstarbeitszeiten und bilden keine Anwesenheit ab – für die Pflicht aus dem BAG-Beschluss sind sie nicht gebaut.

Müssen Freelancer ihre Arbeitszeit erfassen?

Nein. Die Erfassungspflicht gilt für Arbeitnehmer; echte Selbstständige fallen nicht darunter. Freelancer erfassen trotzdem – für Kalkulation und Rechnung. Wer die erste Mitarbeiterin anstellt, muss deren Arbeitszeit dann allerdings vollständig dokumentieren.

Was kostet Projektzeiterfassung im Vergleich zur Anwesenheitserfassung?

Anwesenheitserfassung gibt es je nach Anbieter für etwa 1,50 bis 5 € je Nutzer und Monat. Projektzeiterfassung mit Controlling kostet typischerweise 8 bis 12 € – etwa Clockodo Pro (8 €, Aktionspreis) oder das TimeTac-Projektzeitmodul (ab 9 € zuzüglich Grundgebühr). Alle Werte netto, Listenpreise Juli 2026.

Über die Autorin: Dr. Katharina Müller ist Arbeitswissenschaftlerin und Expertin für Personalplanung, Arbeitszeitgestaltung und Workforce Management.

Quellen