Branchen-Ratgeber
Zeiterfassung für Agenturen und Dienstleister: abrechenbare Stunden
Zeit ist bei Dienstleistern nicht nur Arbeitsschutz, sondern Umsatz: Jede Stunde gehört einem Kunden – oder eben nicht. Wie Agenturen Anwesenheit und abrechenbare Stunden zugleich sauber erfassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Abrechenbare Stunden („Billable Hours") sind Stunden, die einem Kundenauftrag zugeordnet und fakturiert werden – im Unterschied zu interner Zeit für Akquise, Verwaltung oder Teammeetings.
- Agenturen und Dienstleister erfassen doppelt: Anwesenheit für die gesetzliche Pflicht aus dem BAG-Beschluss von 2022 und Projektstunden je Kunde für die Faktura.
- Clockodo verbindet beide Ebenen ab 8 € je Nutzer und Monat inklusive Projektcontrolling; der Basic-Tarif für 4 € deckt bereits die Anwesenheitspflicht ab (netto, Listenpreise Juli 2026).
- Reine Projekt-Timer wie Toggl Track erfassen weder Pausen noch Arbeitszeitgrenzen und decken die deutsche Anwesenheitspflicht damit nicht ab.
- Ein monatlicher Abgleich ist Pflicht: Liegt die Projektsumme über der gestempelten Anwesenheit, stimmt eine der beiden Erfassungen nicht.
Warum erfassen Agenturen ihre Zeit doppelt?
Agenturen erfassen doppelt, weil jede Arbeitsstunde zwei Adressaten hat: den Kunden, der sie bezahlt, und den Gesetzgeber, der ihre Dokumentation verlangt. Für ein Software-Studio, eine Werbeagentur oder ein Ingenieurbüro hat jede Arbeitsstunde zwei Gesichter. Nach außen ist sie eine Position auf der Kundenrechnung – oder eine Investition, die keiner bezahlt. Nach innen ist sie Arbeitszeit, die seit dem BAG-Beschluss von 2022 mit Beginn, Ende und Dauer dokumentiert werden muss. Beide Sichten speisen sich aus derselben Quelle, folgen aber verschiedenen Logiken: Die Pflichterfassung fragt nach dem Wann, die Projekterfassung nach dem Wofür. Wer die Unterscheidung im Detail nachlesen will, findet sie im Beitrag Projektzeiterfassung vs. Arbeitszeiterfassung.
Was sind abrechenbare Stunden (Billable Hours)?
„Billable Hours" sind Stunden, die einem Kundenauftrag zugeordnet und fakturiert werden – im Unterschied zu interner Zeit für Akquise, Verwaltung oder Teammeetings (Begriffe im Glossar). Die Trennung ist mehr als Buchhaltung: Erst wenn beide Kategorien ehrlich erfasst werden, zeigt sich, ob ein Festpreisprojekt die kalkulierten Stunden hält, welche Kunden systematisch mehr Aufwand verursachen und wo interne Zeit überhandnimmt. Aus denselben Daten entsteht die Nachkalkulation fürs nächste Angebot – der vielleicht wichtigste Hebel, den Zeiterfassung einem Dienstleister bietet.
Hinzu kommt die Nachweisfunktion gegenüber dem Kunden: Wer nach Aufwand abrechnet, muss auf Rückfrage belegen können, welche Arbeiten hinter den fakturierten Stunden stehen. Ein sauber geführtes Projektjournal mit Datum, Aufgabe und Dauer beantwortet solche Fragen in Minuten – und verhindert, dass am Quartalsende über einzelne Positionen verhandelt wird. Auch dafür gilt: Die Qualität des Nachweises entsteht beim Buchen, nicht beim Export.
Welche Tools eignen sich für Agenturen und Dienstleister?
Für Agenturen eignen sich Tools, die Anwesenheit und Projektzeit in einem Konto führen – im deutschsprachigen Markt vor allem Clockodo, timr, TimeTac und ZEP.
| Tool | Preis | Profil |
|---|---|---|
| Clockodo | Basic 4 € · Pro 8 € (Aktionspreis, regulär 10 €) | deutsche Allround-Lösung: Anwesenheit plus Projektcontrolling, Report-Builder |
| timr | ab 8 € zzgl. Accountgebühr | mobile Teams und Außendienst, Fahrtenbuch integriert |
| TimeTac | Projektzeit ab 9 € + 19,50 € Grundgebühr | modular, skaliert in den Mittelstand |
| Toggl Track | Free bis 5 Nutzer · Starter 9 USD | schnellster Timer, große Integrationswelt – nur Englisch |
| ZEP | ab ca. 2 € | Projektzeit für projektbasierte Dienstleister |
Clockodo ist mit 4,7 von 5 Punkten bei 960 OMR-Reviews das meistbewertete deutschsprachige Tool der Kategorie und übergibt erfasste Zeiten per Schnittstelle an gängige deutsche Rechnungswerkzeuge. Toggl Track glänzt beim Timer-Komfort und sammelt auf Capterra 4,7 von 5 aus 2.587 Bewertungen, bleibt aber ein reines Projektwerkzeug. Daneben existiert ein breites Feld an Agentursoftware mit Zeiterfassungsmodul – etwa MOCO oder awork –, das sich lohnt, wenn ohnehin Projektmanagement gesucht wird. Die Gesamtübersicht mit Preisen bietet der Systemvergleich.
Erfüllt ein Projekt-Timer die gesetzliche Erfassungspflicht?
Nein – ein Projekt-Timer ohne Anwesenheitslogik erfüllt die gesetzliche Pflicht nicht, weil er weder Pausen noch Arbeitszeitgrenzen kennt, sondern nur die Dauer je Aufgabe. Der klassische Agenturfehler ist, die gesetzliche Seite für erledigt zu halten, weil ja „alles getrackt" wird. Ein Projekt-Timer ohne Anwesenheitslogik erfasst aber weder Pausen noch Arbeitszeitgrenzen – er weiß nur, wie lange an Aufgabe X gearbeitet wurde. Zwei Architekturen funktionieren: ein System, das beide Ebenen führt und Projektstunden gegen die Anwesenheit prüft (bei Clockodo deckt schon der Basic-Tarif die Anwesenheitspflicht ab), oder ein führendes Anwesenheitssystem plus Projekttool für die Verteilung. Wichtig ist ein monatlicher Abgleich: Liegt die Projektsumme über der gestempelten Anwesenheit, stimmt eine der beiden Erfassungen nicht. Wie aus den Anwesenheitsdaten ein sauberer Saldo wird, zeigt der Beitrag Arbeitszeitkonto führen; den rechtlichen Rahmen erklärt der Ratgeber Digitale Zeiterfassung.
Wie erfasst man Projektstunden sauber?
Saubere Projektstunden entstehen durch vier Regeln: taggleich buchen, das Aufgabenraster grob halten, interne Zeit ehrlich erfassen und monatlich gegen die Anwesenheit abgleichen.
- Taggleich buchen: Wer Freitagnachmittag die Woche rekonstruiert, schätzt – und Schätzungen verzerren jede Nachkalkulation.
- Raster grob halten: Wenige, klar benannte Aufgaben je Projekt genügen. Ein zu feines Raster erzeugt Buchungswiderstand und Fantasiezuordnungen.
- Interne Zeit ehrlich erfassen: Akquise, Orga und Weiterbildung gehören sichtbar ins System – sonst wirken Projekte profitabler, als sie sind.
- Monatsabgleich einplanen: Projektsumme gegen Anwesenheit prüfen und Abweichungen klären, solange die Erinnerung frisch ist.
Häufige Fragen
Welche Zeiterfassung passt zu einer Agentur?
Für die meisten deutschen Agenturen ist Clockodo die naheliegende Wahl: Anwesenheits- und Projektzeiterfassung in einem System, Auswertungen je Kunde und Schnittstellen zu Rechnungstools. Teams mit viel Außendienst greifen zu timr, international arbeitende Teams zu Toggl Track – dann braucht es aber eine separate Lösung für die Anwesenheitspflicht.
Was zählt als abrechenbare Stunde?
Jede Stunde, die einem Kundenauftrag zugeordnet und laut Vertrag fakturiert werden kann – Konzeption, Umsetzung, Abstimmung mit dem Kunden. Nicht abrechenbar sind interne Zeiten wie Akquise, Verwaltung oder Weiterbildung. Die Grenze zieht der Vertrag; entscheidend ist, beide Kategorien konsequent zu erfassen.
Reicht Toggl Track für ein deutsches Team?
Für die Projektabrechnung ja, für die gesetzliche Anwesenheitserfassung nein: Toggl Track kennt weder Pausen- noch Höchstarbeitszeitlogik nach deutschem Recht und bietet nur eine englische Oberfläche. Deutsche Teams kombinieren es daher mit einem Anwesenheitssystem oder wählen gleich ein Tool, das beides führt.
Über die Autorin: Dr. Katharina Müller ist Arbeitswissenschaftlerin und Expertin für Personalplanung, Arbeitszeitgestaltung und Workforce Management.
Quellen
- Clockodo – Preise und Funktionen: clockodo.com · OMR Reviews: omr.com
- timr – Preise: timr.com · TimeTac – Pricing: timetac.com
- Toggl Track – Pricing: toggl.com · Capterra: capterra.com
- Kategorie-Überblick Zeiterfassung (OMR Reviews, u. a. ZEP, MOCO, awork): omr.com